Jahrestagung 2009, Unteruhldingen (D)

Zur 7.internationalen exar-Jahrestagung vom 8.-11. Oktober trafen sich im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee Archäologen aus ganz Mitteleuropa, um sich über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Experimentellen Archäologie auszutauschen. 20 Jahre nach der gleichnamigen Sonderausstellung "Experimentelle Archäologie", die in 30 europäischen Städten mehr als 500.000 Besucher zählte, war neben dem Erfahrungsaustausch ein Rückblick auf das bisher Erreichte ein Thema der Tagung. Auf dem Programm des Treffens (www.exar.org) standen faszinierende Vorträge zur technologischen Entwicklung der Menschheit in den letzten 20.000 Jahren. "Wie kommt das Loch in den Stein?" - Fragen wie diese allgemein verständlich zu beantworten, ist das Ziel der Experimentellen Archäologie. Dazu gehören neben einer Fragestellung die Beschreibung des Experiments und eine Veröffentlichung, damit der Versuch auch wiederholbar wird. Federführend für das Meeting in Uhldingen war Dr. Gunter Schöbel, der Direktor des Pfahlbaumuseums, der seit 2008 als 1. Vorsitzender der Vereinigung Experimenteller Archäologen vorsteht. 130 Personen aus 15 Nationen gehören dem Verein an, der 2009 zum ersten Mal am Bodensee tagte. Die Diskussionsbeiträge spannten einen Bogen vom Musizieren mit einer altsteinzeitlichen Schwanenflöte bis zum Bronzeguss auf Zypern. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte Brandrodungsexperiment bei Forchtenberg lieferte neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Kulturlandschaft in Baden-Württemberg (Prof. Manfred Rösch). Über die Durchschlagskraft steinzeitlicher Pfeile referierte Thomas Lessig-Weller (Hannover), während Holger Junker (Universität Hamburg) seine eindrucksvollen Tätowierversuche mit Hagedorn- und Weißdornstacheln darstellte. Das Nibelungenlied stand im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Mehler (Universität Köln), der über die absurden Folgen der Vereinnahmung literarischer Werke für touristische Zwecke sprach. Ein außergewöhnliches Langzeitexperiment endete im Mai diesen Jahres, als das als "Maushaus" bekannte Hornstaadhaus im Pfahlbaumuseum dem Orkan "Felix" zum Opfer fiel. Neben prähistorischen Instrumenten präsentierte Susanne Rühling eine römische Wasserorgel aus der Schweiz und berichtete über den seltenen Fund einer barocken Leier in der Konstanzer Altstadt. Dass es bei uns bereits in prähistorischer Zeit beeindruckende Brückenkonstruktionen gab, illustrierte der Vortrag von Daniel Pillonel. Neue Erkenntnisse zur Glasperlenproduktion der Wikinger lieferte Tine Gam-Aschenbrenner, die bei Konstanz eine Glaswerkstatt betreibt. Techniken der Steinbearbeitung analysierten der Archäotechniker Dr. Jean-Loup Ringot (Hambergen) und der Archäologe Peter Walter vom Pfahlbaumuseum. Bei den anregenden Diskussionen wurden Fragen nach der Zukunft und den Perspektiven aufgegriffen. Auch die Praxis kam bei dem Treffen am Bodensee nicht zu kurz. Eine Führung ermöglichte einen Blick hinter die Kulissen der Pfahlbauten. Experimente zum Brand von Tonwaren im eigenen Keramikbrennofen im Pfahlbaumuseum rundeten die gelungene Veranstaltung ab. Bei einer Exkursion nach Hemmenhofen verdeutlichte Dr. Helmut Schlichtherle vom Referat Feuchtbodenarchäologie des Landesamtes für Denkmal-pflege die Bedeutung der Botantik und der Altersbestimmung durch die Dendrochronologie. Dabei wurden Highlights wie der Dolch von Allensbach, die Räder von Olzreute und die Kultwand von Ludwigshafen gezeigt. Bei der Mitgliederversammlung wurde beschlossen, die nächste Tagung an der Freien Universität Berlin abzuhalten. Im Hinblick auf die Zukunft stellen die Praxisorientierung, aber auch die Verankerung der Experimentellen Archäologie in den Universitäten besondere Herausforderungen dar. Um die Darstellung der Ergebnisse zu verbessern, sollen an verschiedenen Orten "Tage der Experimentellen Archäologie" stattfinden. Dabei wird das interessierte Publikum die Chance bekommen, mehr über die Ergebnisse dieser Arbeiten vor Ort im Museum zu erfahren.

Programm der EXAR Tagung in Unteruhldingen (PDF)